Eine Marke anzumelden ist heute schnell erledigt. Online-Formular ausfüllen, Gebühren zahlen, ein paar Monate warten – fertig. Genau darin liegt aber das Problem: Viele Unternehmen melden Marken an, ohne vorher zu klären, wofür sie diese Marke eigentlich brauchen und wie sie später genutzt werden soll. Das Ergebnis sind unnötige Kosten, trügerische Sicherheit oder Marken, die nach einigen Jahren wieder gelöscht werden.
Marke ist nicht gleich Marke
Nicht jeder Name, unter dem ein Unternehmen auftritt, ist automatisch eine Marke – und nicht jede Marke muss zwingend eingetragen sein. Geschäftsbezeichnungen genießen bereits einen gewissen Schutz durch Benutzung. Eine eingetragene Marke geht aber deutlich weiter: Sie verleiht ein ausschließliches Recht, bestimmte Zeichen für bestimmte Waren oder Dienstleistungen zu nutzen und andere davon auszuschließen.
Ob sich dieser zusätzliche Schutz lohnt, hängt nicht von der Unternehmensgröße ab, sondern vom Geschäftsmodell. Wer Produkte oder Dienstleistungen gezielt unter einem bestimmten Namen vermarktet, sollte sich frühzeitig mit einer Markenstrategie befassen.
Schutzumfang: Weniger ist oft mehr
Ein häufiger Fehler ist der Wunsch nach „möglichst viel Schutz“. EU-Marke, internationale Registrierung, möglichst viele Waren und Dienstleistungen – klingt zunächst sinnvoll, kann aber nach hinten losgehen. Marken müssen benutzt werden. Wer Schutz für Bereiche anmeldet, in denen er tatsächlich nicht tätig ist, riskiert später eine teilweise oder vollständige Löschung.
Eine sinnvolle Markenstrategie orientiert sich deshalb nicht an Wunschvorstellungen, sondern an der wirtschaftlichen Realität: Wo bin ich aktiv? Wo plane ich realistisch eine Nutzung? Und in welchen Ländern ist mein Markt tatsächlich relevant?
Benutzung, Überwachung und Durchsetzung gehören dazu
Mit der Eintragung endet die Markenarbeit nicht. Markenrechte müssen genutzt, überwacht und – wenn nötig – auch durchgesetzt werden. Wer jahrelang zusieht, wie ähnliche Zeichen im Markt auftauchen, schwächt seine eigene Rechtsposition. Gleichzeitig bedeutet Überwachung nicht, dass gegen jede Nutzung sofort vorgegangen werden muss. Entscheidend ist, informiert zu sein und bewusst zu entscheiden.
Fazit: Erst denken, dann anmelden
Eine Marke ist kein Selbstzweck. Sie ist ein strategisches Instrument, das nur dann funktioniert, wenn Schutzumfang, Nutzung und wirtschaftliche Ziele zusammenpassen. Wer sich vor der Anmeldung diese Fragen stellt, spart nicht nur Kosten, sondern schafft eine belastbare Grundlage für den langfristigen Schutz seines Unternehmensauftritts.
Shownotes
- DPMA: Gebühren einer Markenanmeldung
- EUIPO: Gebühren und Zahlungen
- WIPO: Madrid Fee Calculator
- Spotify: Markenrecht und Chiquita-Bananen: Was Unternehmen daraus lernen können – Kaffeerecht
- Spotify: Internationale Markenanmeldungen – Kaffeerecht