Kaffeerecht podcast

In our podcast “Kaffeerecht”, we regularly discuss legal topics from everyday digital life for creatives, entrepreneurs and companies in a relaxed coffee break.

Wenn Bilder teuer werden – Schadensersatz im Fotorecht

Fotografien sind im Geschäftsalltag allgegenwärtig: Websites, Social Media, Präsentationen oder Pressearbeit funktionieren kaum ohne visuelle Inhalte. Gleichzeitig wird häufig unterschätzt, wie streng das Urheberrecht bei der Nutzung fremder Bilder ist. Aktuelle Entscheidungen der Landgerichte Köln und Hamburg verdeutlichen, dass bereits vermeintlich kleine Verstöße zu erheblichen Zahlungsansprüchen führen können.

Schadensersatz nach der Lizenzanalogie

Im Mittelpunkt vieler Streitigkeiten steht § 97 UrhG. Wird eine Fotografie ohne ausreichende Lizenz genutzt, kann der Urheber Schadensersatz verlangen. Maßgeblich ist dabei regelmäßig die sogenannte Lizenzanalogie: Das Gericht fragt, was vernünftige Vertragsparteien für diese konkrete Nutzung vereinbart hätten.

Dabei handelt es sich nicht um eine pauschale Berechnung. Entscheidend sind insbesondere:

  • Art der Nutzung (Website, Social Media, Print etc.)
  • Nutzungsdauer und Reichweite
  • Professionalität der Beteiligten
  • Qualität und Marktstellung des Fotografen
  • bestehende Lizenzpraxis

Gerichte schätzen den Betrag gemäß § 287 ZPO anhand der vorgelegten Informationen. Je besser diese dokumentiert sind, desto klarer fällt die Entscheidung aus.

Für einen ersten Überblick, können Sie in unserem Online-Rechner einen möglichen Schadensersatz berechnen.

Für einen ersten Überblick, können Sie in unserem Online-Rechner einen möglichen Schadensersatz berechnen.

MFM-Empfehlungen und Lizenzpraxis

In vielen Verfahren spielen die Honorarempfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) eine wichtige Rolle. Sie dienen Gerichten als Orientierung, insbesondere wenn keine vergleichbaren Lizenzvereinbarungen vorliegen.

Allerdings gilt: Eine eigene, nachweisbare Lizenzpraxis kann wichtiger sein als die MFM-Werte. Fotografen, die ihre Werke regelmäßig zu bestimmten Preisen lizenzieren und dies belegen können, haben häufig gute Chancen, diese Honorare auch im Verletzungsfall durchzusetzen.

Umgekehrt kann eine dauerhaft günstige Lizenzierung später zu niedrigeren Schadensersatzansprüchen führen.

Fehlende Urhebernennung wird schnell teuer

Ein besonders praxisrelevanter Punkt ist die Urhebernennung. Wird der Fotograf nicht genannt, erkennen Gerichte regelmäßig einen Zuschlag von bis zu 100 % auf die Lizenzgebühr an.

Der Hintergrund: Das Urheberrecht schützt ausdrücklich die persönliche Verbindung zwischen Urheber und Werk. Wer diese Verbindung durch eine anonyme Nutzung trennt, muss häufig mit deutlich höheren Forderungen rechnen.

Was Fotografen und Unternehmen mitnehmen sollten

Die besprochenen Entscheidungen zeigen deutlich, dass Schadensersatzforderungen selten zufällig entstehen. Für beide Seiten lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten:

Für Fotografen:

  • klare Lizenzmodelle verwenden,
  • Preise konsequent dokumentieren,
  • Rechnungen und Nutzungsnachweise aufbewahren,
  • Verstöße frühzeitig sichern (Screenshots, Dokumentation).

Für Unternehmen und Agenturen:

  • Bildrechte systematisch verwalten,
  • Nutzungsrechte schriftlich festhalten,
  • Weitergaben an Dritte prüfen,
  • im Zweifel vor Nutzung nachfragen.

Gerichte entscheiden stark einzelfallbezogen – aber die Richtung ist eindeutig: Wer Bildrechte ignoriert oder unklar regelt, geht ein erhebliches wirtschaftliches Risiko ein.

038e0b3a40014700af2159dd8b3a8b09

Shownotes

More episodes

Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit? Was das BAG zu Equal Pay entschieden hat

Das Bundesarbeitsgericht hat am 23. Oktober 2025 eine viel beachtete Entscheidung zur gleichen Bezahlung von Frauen und Männern gefällt. In der aktuellen Folge von Kaffeerecht sprechen wir über den sogenannten „Paarvergleich“ und erklären, wann Arbeitnehmerinnen Anspruch auf Nachvergütung haben – und was Arbeitgeber jetzt besonders beachten müssen.

Listen "

Ho-Ho-HR: Arbeitsrechtliche Stolperfallen zur Weihnachtszeit

Die Weihnachtszeit bringt nicht nur Glühwein und Lichterketten – sie bringt jedes Jahr auch arbeitsrechtliche Fragen mit sich. In dieser Episode sprechen wir über klassische Stolperfallen, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen betreffen: Weihnachtsgeld, betriebliche Übung, Rückzahlungsklauseln, Urlaubsverteilung und die Regeln rund um Betriebsruhe.

Wir ordnen ein, wann wirklich ein Anspruch auf Weihnachtsgeld besteht, wie Resturlaub korrekt verfällt, was Arbeitgeber bei Stichtagsregelungen beachten müssen und in welchen Fällen „Zwangsurlaub“ zulässig ist. Für alle, die rechtssicher und ohne Überraschungen durch die Feiertage kommen wollen – eine praxisnahe und verständliche Folge.

Listen "

Trusted Flagger/Vertrauenswürdige Hinweisgeber nach dem DSA

Seit Mai 2025 gibt es in Deutschland drei neue „Trusted Flagger“ – zertifizierte Meldestellen, die rechtswidrige Inhalte auf Onlineplattformen besonders schnell anzeigen dürfen. In Folge 53 werfen wir einen genauen Blick auf die rechtlichen Hintergründe, das Verfahren und die beteiligten Organisationen wie HateAid, vzbv und BVOH. Was dürfen Trusted Flagger? Wer kann einer werden? Und wo gibt es noch Nachholbedarf?

Listen "

Subscribe to our newsletter

Your registration could not be saved. Please try again.
Your registration was successful.

We use Brevo as our marketing platform. By completing and submitting the form, you acknowledge that the information you provide will be transferred to Brevo for processing in accordance with the Terms of Use.