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SoundGuardian GmbH: Berechtigungsanfrage und Abmahnung wegen Musik auf TikTok und Instagram

Erhalten Sie Post von der SoundGuardian GmbH? Wir erklären, was eine Berechtigungsanfrage bedeutet, welche Risiken bestehen und wie Sie reagieren sollten.

Aktualisiert am 20. August 2026: Die Schreiben betreffen inzwischen neben TikTok auch Reels auf Instagram. Ergänzt wurden die Größenordnung der aktuell geforderten Beträge, die Frage, warum die Musikbibliothek der App gewerbliche Nutzung häufig nicht abdeckt, und der Übergang von der Anfrage zur Abmahnung.

Seit dem Sommer 2025 erhalten Nutzerinnen und Nutzer von TikTok und Instagram Post von der SoundGuardian GmbH. Die Schreiben tragen die Bezeichnung Berechtigungsanfrage, verlangen Auskunft über die Nutzung eines bestimmten Musiktitels und enthalten zugleich ein Lizenzangebot, das regelmäßig im vierstelligen Bereich liegt. Die Welle hält im Jahr 2026 an, wobei neben TikTok inzwischen auch Reels auf Instagram betroffen sind. Für die Empfänger ist dabei meist unklar, ob sie eine bloße Anfrage oder bereits eine Abmahnung in Händen halten.

Was ist eine Berechtigungsanfrage?

Im Urheberrecht wird unterschieden:

  • Abmahnung: Sie enthält konkrete Vorwürfe einer Urheberrechtsverletzung. Typischerweise werden Unterlassung, Schadensersatz und Kostenerstattung gefordert. Erfolgt keine Reaktion, droht eine Klage.
  • Berechtigungsanfrage: Sie gilt als Vorstufe. Der Rechteinhaber, hier die SoundGuardian GmbH, möchte prüfen, ob eine Nutzung berechtigt war, und fordert eine Stellungnahme oder Lizenzierung.

Die Schreiben von SoundGuardian sind daher noch keine Abmahnungen im Sinne von § 97a UrhG, können aber der Vorbereitung einer solchen Abmahnung dienen. In der Praxis mischen sich die Formen, weil dasselbe Schreiben Auskunft verlangt, eine Lizenz anbietet und eine Zahlungsfrist setzt, sodass sich die Einordnung erst aus dem Wortlaut im Einzelfall ergibt.

Warum verschickt die SoundGuardian GmbH Berechtigungsanfragen?

  • TikTok und Instagram stellen eine Musikbibliothek bereit, die in erster Linie für private Zwecke freigegeben ist.
  • Gewerbliche Nutzer, etwa Unternehmer, Selbstständige oder Markenaccounts, sind davon oft nicht umfasst.
  • Rechteinhaber wie die SoundGuardian GmbH richten ihr Augenmerk gezielt auf diese kommerziellen Nutzungen.

Damit geraten vor allem gewerblich genutzte Accounts in den Fokus von Berechtigungsanfragen. Wer ein Video über den privaten Account einstellt, es aber erkennbar für sein Unternehmen einsetzt, wird von den Rechteinhabern regelmäßig der gewerblichen Nutzung zugeordnet.

Warum die Musik aus der App gewerbliche Nutzung häufig nicht deckt

Beide Plattformen haben ihre Musikangebote geteilt. TikTok stellt Unternehmensprofilen die Commercial Music Library zur Verfügung, Meta die Sound Collection für Reels und Stories. Wer diese Bereiche nutzt, bewegt sich innerhalb der Lizenz, die die Plattform eingeräumt hat. Die übrige Musikbibliothek, in der die bekannten Titel liegen, beruht dagegen auf Verträgen, die die Plattformen für private Inhalte geschlossen haben.

Hinzu kommt eine Einschränkung, die in der Praxis leicht übersehen wird: Die Lizenz gilt jeweils nur für die Plattform, auf der die Musik ausgewählt wurde. Ein Video, das mit einem Titel aus der TikTok-Bibliothek entstanden ist und anschließend als Reel auf Instagram erneut veröffentlicht wird, ist dort nicht mitlizenziert, sodass gerade das übliche Zweitverwerten eines Videos ein eigenes Risiko schafft.

Typische Inhalte einer SoundGuardian-Berechtigungsanfrage

Nach unserer Erfahrung enthalten die Schreiben der SoundGuardian GmbH regelmäßig:

  • Behauptung exklusiver Rechte an bestimmten Songs,
  • Hinweis auf eine konkrete Nutzung auf TikTok oder Instagram,
  • Lizenzangebot mit festem Preis, das im Jahr 2026 für einen einzelnen Titel im Bereich mehrerer tausend Euro liegt,
  • Aufforderung zur Rückmeldung per E-Mail oder Online-Formular.

Auffällig ist die Ausweisung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes von sieben Prozent, die auf die Einräumung urheberrechtlicher Nutzungsrechte hindeutet, § 12 Abs. 2 Nr. 7 Buchst. c UStG. Ob die SoundGuardian GmbH tatsächlich über die behaupteten exklusiven Rechte verfügt, lässt sich von außen nicht ohne Weiteres feststellen, weshalb die Rechtekette den ersten Prüfpunkt bildet.

Handlungsempfehlungen bei einer Berechtigungsanfrage der SoundGuardian GmbH

  1. Ruhe bewahren und Fristen prüfen: Auch wenn die Schreiben druckvoll formuliert sind: Es handelt sich (noch) nicht um eine klassische Abmahnung.
  2. Keine vorschnellen Zahlungen leisten: Ob SoundGuardian berechtigt ist, die geforderten Lizenzen zu verlangen, sollte rechtlich überprüft werden.
  3. Nutzung überprüfen
    • Wurde der genannte Titel tatsächlich eingesetzt?
    • War es private oder geschäftliche Nutzung?
    • Aus welcher Bibliothek stammt der Titel, und wurde das Video auf einer zweiten Plattform erneut veröffentlicht?
    • Ist das Video noch online?
  4. Juristische Prüfung einholen
    • Rechtekette klären: Ist die SoundGuardian GmbH überhaupt berechtigt?
    • Lizenzhöhe prüfen: Sind die Kosten angemessen?
    • Strategie entwickeln: Schweigen, reagieren oder Gegenargumente vorbringen?
  5. Präventiv handeln
    • Nur Musik einsetzen, deren Rechte eindeutig geklärt sind.
    • Bei geschäftlichen Accounts die TikTok Commercial Music Library oder die Meta Sound Collection nutzen.
    • Alternativ auf eigene oder GEMA-freie Musik zurückgreifen (aber beachten: GEMA-frei ≠ rechtefrei).

Wann aus der Anfrage eine Abmahnung wird

Bleibt eine Reaktion aus oder scheitert die Einigung über die Lizenzhöhe, folgt der Anfrage regelmäßig eine Abmahnung, die Unterlassung, Auskunft, Schadensersatz und Kostenerstattung verlangt, §§ 97, 97a UrhG. Der Schadensersatz wird dabei üblicherweise nach der Lizenzanalogie berechnet, wonach zu fragen ist, was vernünftige Vertragspartner für die konkrete Nutzung vereinbart hätten. Genau an dieser Stelle wird der Betrag angreifbar, weil die eigene Preisliste des Rechteinhabers nicht ohne Weiteres den objektiven Wert einer Nutzung abbildet.

Wichtig zu wissen ist dabei, dass Ansprüche wegen einer Urheberrechtsverletzung in drei Jahren verjähren, § 102 UrhG, § 195 BGB, wobei die Frist mit dem Schluss des Jahres beginnt, in dem der Rechteinhaber von Verletzung und Person Kenntnis erlangt hat. Schreiben, die weit zurückliegende Videos betreffen, sollten deshalb auch daraufhin geprüft werden. Wie die Gerichte die Schreiben der SoundGuardian GmbH im Einzelnen bewerten, ist bislang nicht veröffentlicht, sodass belastbare Rechtsprechung zu dieser Fallgruppe noch aussteht.

Prüfen lassen, bevor gezahlt wird

Die Berechtigungsanfragen der SoundGuardian GmbH zeigen, dass Rechteinhaber die Musiknutzung auf TikTok und Instagram inzwischen systematisch kontrollieren. Während private Accounts meist wenig zu befürchten haben, besteht für gewerbliche Nutzer ein erhebliches Risiko, weil die Plattformlizenz ihre Nutzung häufig nicht abdeckt.

Wer ein solches Schreiben erhält, sollte es weder ignorieren noch vorschnell bezahlen. Entscheidend ist die Prüfung, ob die Ansprüche in dieser Form überhaupt bestehen und ob der geforderte Betrag dem entspricht, was für eine vergleichbare Nutzung marktüblich ist.

Unterstützung durch unsere Kanzlei

Unsere Kanzlei ist spezialisiert auf Urheberrecht und Social-Media-Recht. Wir prüfen Berechtigungsanfragen der SoundGuardian GmbH sorgfältig und entwickeln mit Ihnen eine individuelle Strategie.

Über unser Formular können Sie Ihre Berechtigungsanfrage oder Abmahnung direkt hochladen und unverbindlich prüfen lassen.

Häufige Fragen

Was ist eine „Berechtigungsanfrage“ der SoundGuardian GmbH?

Ein Schreiben an Nutzer von TikTok oder Instagram, das Auskunft über die Nutzung bestimmter Songs verlangt und häufig kostenpflichtige Lizenzangebote enthält.

Muss ich auf eine solche Anfrage reagieren?

Nichts vorschnell unterschreiben oder zahlen. Zunächst prüfen lassen, ob überhaupt eine relevante Nutzung und ein berechtigter Anspruch vorliegt.

Welche Risiken bestehen?

Eine unbedachte Reaktion kann zu Auskünften oder Zahlungspflichten führen; die geforderten Beträge sind oft verhandelbar oder unberechtigt.

Gilt das auch für Reels auf Instagram?

Ja. Die Schreiben betreffen inzwischen ebenso Reels auf Instagram. Zu beachten ist, dass die Musiklizenz jeweils nur für die Plattform gilt, auf der der Titel ausgewählt wurde; ein auf TikTok erstelltes Video ist auf Instagram nicht mitlizenziert.

Wie hoch sind die geforderten Beträge?

Für einen einzelnen Titel werden im Jahr 2026 regelmäßig mehrere tausend Euro verlangt, häufig zuzüglich sieben Prozent Umsatzsteuer. Ob dieser Betrag dem entspricht, was für eine vergleichbare Nutzung marktüblich ist, ist im Einzelfall zu prüfen.

Können solche Ansprüche verjährt sein?

Ansprüche wegen einer Urheberrechtsverletzung verjähren regelmäßig in drei Jahren, § 102 UrhG, § 195 BGB. Bei weit zurückliegenden Videos lohnt deshalb ein Blick auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und auf die Kenntnis des Rechteinhabers.

Weiterführende Beiträge

Musik- und Contentnutzung auf Plattformen wie TikTok und Instagram birgt urheberrechtliche Risiken. Ob Anfrage oder Abmahnung, wir beraten und vertreten Sie. Mehr dazu auf unserer Seite zum Urheberrecht.

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